Horst Thiel im Interview
Horst Thiel war bereits vor der Gründung des Zweckverbandes bei der VHS Bad Driburg tätig und ist damit ein wahres Urgestein in unserem VHS-ZV. Ein guter Grund für Janine Brigant-Loke und Julia Gäbelein, mit ihm über alte Zeiten und seine Lehrtätigkeitslaufbahn bei der VHS zu sprechen.
Seit wie vielen Jahren sind Sie bereits beim VHS-ZV insgesamt als Lehrbeauftragter aktiv?
Seit 54 Jahren.
Ihr erstes Jahr war also 1971. Da war der Zweckverband ja noch nicht gegründet. Das heißt, Sie haben mit Herrn Bludau, der zu dem Zeitpunkt ehrenamtlicher Leiter der VHS Bad Driburg war, schon zusammen die ersten Veranstaltungen gemacht?
Genau. Und den Anstoß, dass Herr Bludau mich ansprach, gab damals seine Mutter. Sie war sehr an Astronomie interessiert und hatte in der Zeitung gelesen, dass da Jemand ist, der in diesem Bereich etwas macht. Sie hat das dann ihrem Sohn mitgeteilt und Herr Buldau hat mich schließlich gefragt, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. So ist das Ganze in Gang gekommen.
Das Thema Astronomie war also der erste inhaltliche Schwerpunkt der Vorträge, die Sie damals für die VHS angeboten haben. Wie sind Sie denn zu den landeskundlichen Vorträgen bzw. den Reisevorträgen gekommen?
Zunächst einmal habe ich ausnahmslos die Astronomie-Vorträge gehalten. Als die Sternwarte entsprechend ausgebaut war, kamen auch Vereine und Gruppen - teilweise sogar mit dem Bus aus Schlangen angefahren - um einmal durch das Teleskop zu schauen. Die Reisevorträge entwickelten sich später dann auch aus der Astronomie, nämlich durch meine astronomischen Reisen ins Ausland.
Als Herr Bludau ehrenamtlicher VHS-Leiter war, ist 1975/76 der Zweckverband mit den Städten Bad Driburg, Brakel, Nieheim und Steinheim entstanden. Dann hat Herr Bludau den Staffelstab an Herrn Wüllner abgegeben. Wie haben Sie die Zeit aus der Zweckverbandsgründung aus Ihrer Sicht erlebt?
Tatsächlich hat Herr Bludau mich damals gefragt, ob ich mich für die hauptamtliche Stelle als Leitung der Volkshochschule bewerben wollte. Er hatte meine Vorträge gesehen, war ganz positiv gestimmt und traute mir das zu. Und ich hatte durchaus auch den Eindruck, dass man mich eigentlich genommen hätte. Uneigentlich habe ich dann aber zwei Nächte darüber geschlafen und habe mich erkundigt, was man bei der VHS als Leitung alles machen muss. Dieser ganze Bürokram… (lacht). Das hat mir nicht zugesagt. Ich wollte lieber Wissen teilen als es zu verwalten. Daher habe ich mich nicht beworben. Und dann ist Herr Wüllner Leiter geworden. Den kannte ich schon aus dem Studium. So bin ich also nicht Leiter der Volkshochschule geworden.
Aber Sie sind uns 54 Jahre lang treu geblieben.
Ja, die Astronomie mache ich seit Jahrzehnten sozusagen als Hobby. Und die eigene Leidenschaft und Begeisterung für ein Thema zu teilen und weiterzugegeben, finde ich spannend. Das Betreiben der Sternwarte habe ich damals als Physiklehrer übernommen; es gehörte eben mit zu meinem Bereich, aber es verband meine Leidenschaft. Ein Kollege war der Meinung, ich würde durch mein Astronomie-Hobby sehr viel Zeit investieren. Da hatte er durchaus Recht, denn als zum Beispiel das neue Fernrohr kam, habe ich durchaus zwei Abende damit verbracht, es zu justieren.
Das heißt, das Hobby und das Interesse treiben Sie an, um den Themen weiter up-to-date und immer nah zu sein?
Ja, genau. Und genau das liebe ich - Reisen mit Astronomie zu verbinden und das Wissen teilen. Ich habe mittlerweile 56 Länder besucht.
Wenn Sie an Ihre Zuhörenden in Ihren Vorträgen denken, welche Erinnerungen kommen Ihnen dabei?
Zum Beispiel halte ich im Moment Vorträge zu Südkorea, unter anderem in den drei Gräflichen Kliniken. Ich erzähle in den Vorträgen gerne von persönlichen Erlebnissen, zum Beispiel wie man in Südkorea in einigen Hotels Seile im Zimmer vorfindet, um sich im Notfall abseilen zu können. Und in zwei der Kliniken haben mich Zuschauerinnen gefragt, wann ich den nächsten Vortrag erhalte. Ein Zuschauer hat mir mal gesagt, ich sei Teil der Therapie.
Die 54 Jahre, die Sie jetzt dem Zweckverband treu sind, ist wirklich eine unglaublich lange Zeit. Welches Jahrzehnt oder welche Zeit war denn besonders prägend für Sie und worauf blicken Sie besonders zurück?
In Bezug auf meine Vorträge war das, als das große Fernrohr kam. Hier bekam ich eine wirklich große Resonanz. In Bezug auf den Zweckverband sind mir im Laufe der Zeit einige VHS-Leitungen und Teammitglieder begegnet. Das ist ja auch normal in 54 Jahren.
Was macht Ihnen Spaß daran, mit unserem VHS-Team zusammenzuarbeiten?
Ihr Team gefällt mir. Ich mag Sie alle. Mit einigen habe ich natürlich weniger zu tun, aber trotzdem ist mir Ihr Team sehr sympathisch.
Sie sind ja jemand, der keine Scheu vor Neuem hat. Davon haben wir als VHS natürlich auch sehr profitiert, gerade auch in der Corona-Zeit.
Ja, die Corona-Zeit… Da kamen vermehrt die Online-Schulungen auf und ich konnte damit erst nicht so richtig etwas anfangen. Dann habe ich meiner Tochter einmal bei einer Videokonferenz im Home-Office zugesehen. Der Inhalt interessierte mich nicht, aber die Technik. Und ich dachte mir: „Das kann ich auch!“ Dann habe ich bei Ihnen angefragt, ob ich Online-Angebote durchführen kann. Frau Hickl war damals neu in Ihrem Team, und bei ihr habe ich eine offene Tür eingerannt. Sie war sofort dafür. Deswegen ist sie mir auch sehr sympathisch (lacht). Und dann habe ich viele, viele Online-Veranstaltungen durchgeführt. Leider nimmt das Interesse an solchen Online-Veranstaltungen aber etwas ab, da das Interesse an der Naturwissenschaft zurückgeht.
Sehen Sie hierin eine Herausforderung für die nächsten Jahre, astronomische, naturwissenschaftliche Themen aufrechtzuerhalten und zu vermitteln? Welche Ideen haben Sie für Ihre Angebote, das Interesse zu erhalten?
Ich aktualisiere meine Vorträge ständig und passe die Titel an, damit sie ansprechender sind. Aus der "Erforschung des Mondes", was sehr wissenschaftlich klingt, wurde zum Beispiel "Magie des Mondes". Das sagten spontan nach meinem Vortrag die Zuhörer, als ich sie fragte, was besser sei. Ich schaue natürlich, was die großen Planetarien weltweit anbieten und lasse mich davon inspirieren.
Wie gelingt es Ihnen, die Zuhörenden für sich zu gewinnen?
Dazu eine kleine Anekdote: Ich war einmal Begleitperson bei einer Klassenfahrt zu einer Aufzeichnung von einer Rate-Show mit Jörg Pilawa. Alle saßen da, waren gespannt, dass es gleich losgeht, und dann kam Jörg Pilawa. Ganz normal, fragte uns, wie es uns geht und woher wir kommen. Er hat mit uns so ein bisschen gequatscht. Dann verschwand er wieder und kam dann, richtig mit Jackett bekleidet, wieder raus. Und wenn ich jetzt Vorträge halte, sage ich zu dem ersten Teilnehmer „Jetzt haben Sie aber ein Problem – Sie müssen sich den besten Platz aussuchen“. Das ist natürlich Quatsch, aber dann lacht die Person. Und so halte ich vor dem Vortrag ein bisschen Smalltalk. Das habe ich mir bei Jörg Pilawa abgeguckt.
Aus ihrer Erzählung höre ich, dass es ein entscheidendes Kriterium ist, als Lehrbeauftragter nicht nur zu sagen, „So, ich mach‘ jetzt nur meinen Vortrag“, sondern auch eine Beziehung zu den Teilnehmenden aufzubauen.
Genau. Das beginnt schon bei den Ausschreibungstexten. In Ihren Kurstexten wird ja recht ausführlich geschrieben. Aber die persönliche Ansprache, die Art, wie ein Vortrag gehalten wird, sind wichtig. Das entscheidet, ob die Teilnehmenden wiederkommen oder nicht.
Das heißt, dass das, was Sie vermitteln wollen, dadurch auch persönlicher wird?
Ja. Deshalb bringe ich in den Vorträgen auch oft eigene Fotos von meinen Reisen mit ein. Sowas gefällt den Zuschauern. Auch ungewöhnliches, zum Beispiel Toilettenschilder aus Südkorea. Wer zeigt sonst solche Bilder (lacht)? Ich mische Wissen mit persönlichen Anekdoten. Das macht es aus.
Würden Sie auch zukünftigen Lehrbeauftragten raten, Persönlichkeit reinzunehmen, um die Zuhörerschaft mitzunehmen? Kann das überhaupt jeder?
Ja, ich selbst finde das wichtig, aber das ist Geschmackssache. Das kann man sicherlich lernen, ein guter Redner zu werden. Einer wie ich, der zeitlebens mit Menschen gearbeitet hat, mag es dabei etwas leichter haben, weil ich keine Schwelle überwinden muss.
Was treibt Sie im Alter von stolzen 82 Jahren – Sie wirken übrigens deutlich jünger - weiter an, für den VHS-Zweckverband zu dozieren?
Mein Wissen und meine Erfahrungen von meinen Reisen zu teilen und dabei die positiven Rückmeldungen von den Zuhörern zu bekommen. Das treibt mich an. Und ich hoffe, dass ich das noch lange machen kann und ich fit und gesund bleibe.
Vielen Dank für diese sehr interessanten Einblicke in die Anfänge des VHS-ZV aus Sicht eines Lehrbeauftragten. Wir freuen uns auf noch viele weitere spannende Veranstaltungen mit Ihnen!
